4. B+B DIALOG Nachträglich abdichten

Am 1. März 2013 fand im Kölner Maternushaus der 4. B+B DIALOG zum Thema „Nachträglich abdichten“ statt. Dabei wurde nicht nur über diverse Merkblätter und Prüfvorschriften zur nachträglichen Bauwerksabdichtung und Horizontalabdichtung mit Injektionsmitteln informiert, sondern es wurden teilweise auch unterschiedliche Auffassungen deutlich.

So beinhalten die wissenschaftlich orientierten Merkblätter des BuFAS und die Prüfvorschriften des Dahlberg-Instituts zu Injektionsmittel-Abdichtungen andere und strengere Kriterien als die eher praxisorientierten Merkblätter des WTA.
Prof. Dr. Helmut Venzmer berichtete außerdem von Forschungsergebnissen, die zeigen, dass sich die Ausbreitung von Injektionsmitteln im Mauerwerk mit zunehmenden Durchfeuchtungsgraden deutlich verringert. Er zog daraus den Schluss, dass ab Durchfeuchtungsgraden von 40 bis 50 Prozent eine Vortrocknung erforderlich sei. Diese Ergebnisse gelten laut Venzmer für alle Stoffe und unabhängig davon, ob die Injektionsmittel drucklos oder mit Druck eingebracht würden.
Gegen diese Ergebnisse sprechen jedoch Erfahrungen, über die sowohl ein Veranstaltungsteilnehmer als auch Marek Richter von der Lömpel Bautenschutz HN Ost GmbH berichteten. Sie kennen viele positive Beispiele, bei denen sie Gebäude auch bei höheren Durchfeuchtungsgraden und ohne Vortrocknung erfolgreich gegen kapillaren Feuchtetransport abdichten konnten. Richter, der als Referent den Part übernommen hatte, die die Bedeutung der Merkblätter und Regelwerke für den ausführenden Betrieb darzustellen, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer umfassenden Bauwerksdiagnostik. Auf deren Grundlage müsse der Planer das Injektionsmittel und das Injektionsverfahren festlegen beziehungsweise doch ein Mauersägeverfahren vorschreiben.
Fazit der Veranstaltung: Die Regelwerke sind nützliche Helfer für Planer und ausführende Betriebe. Bei der nachträglichen Bauwerksabdichtung sind die dortigen Hinweise aber immer auf das individuelle Bestandsgebäude und dessen Voraussetzungen zu beziehen. Sie können nicht einfach in der Art eines Kochrezeptes angewandt werden.