5. B+B DIALOG Innendämmung

Komplexe Systeme detailliert betrachtet

Für über 90 Teilnehmer bot der 5. B+B DIALOG Innendämmung, der am 13.2.2014 im Kölner Maternushaus stattfand, ein thematisch breit aufgestelltes Spektrum an Vorträgen zu kritischen Details der Innendämmung. Die Inhalte reichten von Lösungen, die den Feuchteschutz bei Anschlussdetails sicherstellen, bis hin zu Ausführungsdetails, die besonderen architektonischen Anforderungen gerecht werden. Insbesondere bei den Diskussionen ging es auch um rechtliche Aspekte und ihre Berücksichtigung in der Ausführungspraxis.
Welche Vorteile eine Computersimulation zur Bestimmung der spezifischen Feuchtebelastung eines Innendämmsystems im Rahmen der Planung hat, zeigte Dr. Anatol Worch von der Materialprüfanstalt an der Technischen Universität Braunschweig.


Kritische Werte schon in der Simulation identifizieren

Dr. Anatol Worch erklärt, wie man ein Innendämmsystem mittels hygrothermischer Simulation schon in der Planung genau beurteilen kann. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Dr. Anatol Worch erklärt, wie man ein Innendämmsystem mittels hygrothermischer Simulation schon in der Planung genau beurteilen kann. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Bei der Planung von Innendämmsystemen könne man verschiedene Bewertungsschemata zugrunde legen. Das sei zum einen das in der DIN 4108 (Wärmeschutz im Hochbau, klimabedingter Feuchteschutz) ausgeführte Glaserverfahren. Zum anderen gäbe es das im WTA – Merkblatt 6-4 vorgeschriebene vereinfachte Nachweisverfahren.
Jedem dieser Vorgaben wies er spezifische Unsicherheiten nach: Das Glaserverfahren eigne sich nicht für diffusionsoffene, kapillaraktive Innendämmsysteme, da es nicht berücksichtige, dass innerhalb eines diffusionsoffenen Systems Kondensat ausfallen darf. Das vereinfachte Verfahren aus dem WTA-Merkblatt 6-4 eigne sich nicht für komplexere Systeme. Diese Lücke werde nun durch den Merkblattentwurf WTA 6-5 geschlossen.
Worch zeigte, wie man auf Basis dieses neuen Verfahrens mittels Computersimulation tiefe Einblicke in ein zu planendes Innendämmsystem erhalten kann. Dazu zeigte er das Beispiel eines alten Trafohäuschens, das einer Umnutzung wegen innen gedämmt worden war. Obwohl die Anwendung des Karstens‘schen Prüfröhrchens an den teilweise stark beschädigten Fugen eine hohe Feuchtebelastung des Mauerwerks nachwies, zeigte die Konstruktion keine Anzeichen für Feuchteschäden. Mittels hygrothermischer Simulation versuchte man zu ermitteln, ob die schadhaften Fugen überhaupt einen Einfluss auf das Innendämmsystem hatten. Die Änderung des Wasseraufnahmekoeffizienten (W-Wert), hin zu einer hohen Aufnahme von Feuchte hatte in der Simulation tatsächlich keinen Einfluss auf den Wassergehalt des Innendämmsystems.

Mit den Werten spielen
Anhand dieses Beispiels erläuterte er, dass man für die hygrothermische Simulation durch die Veränderung verschiedener Parameter, wie der örtlichen Schlagregenbelastung, dem W-Wert oder auch der Dampfdurchlässigkeit (SD-Wert), ermitteln kann, welche Werte bei dem jeweiligen Objekt besonders sensibel sind. „Hier kann man einfach ein bisschen mit den Werten spielen und bekommt erstaunliche Ergebnisse“, schlug Worch vor. Die sensiblen Werte müssten dann exakt angegeben und im Zweifelsfall zunächst vor Ort ermittelt werden. Bei den weniger sensiblen Werten könne man folglich auf die Pauschalwerte zurückgreifen, die das neue Merkblatt vorschlägt. So ergäbe sich, folgerte er, die Möglichkeit schon zu Beginn einzelne Schritte der Planung detailliert festzulegen.
In der Auswertung sei wichtig, dass das System über einige Jahre hinweg eingeschwungene Werte zeigte. Das heißt, dass der Gehalt des aufgenommenen Wassers niedriger bleibt als die Menge des Wassers, die das System wieder abgeben kann. Dabei sei es wichtig darauf zu achten, dass es im Laufe der Zeit nicht zu steigenden Maxima in der Feuchteaufnahme komme. Eine solche Steigung könne, auch wenn sie sehr gering sei, dauerhaft zur Schädigung der Konstruktion führen, betonte Worch. Ein weiteres Augenmerk solle man bei der Beurteilung auf einbindende Konstruktionsteile legen. Vorhandene Schäden, zum Beispiel an Holzbalkenköpfen, könnten Hinweise auf kritische Stellen geben.

Dipl.-Ing. Gabriele Gärtner ging ins Detail: Bei besonders leistungsfähigen Innendämmsystemen muss an die Dämmung der Flanken gedacht werden. (Abb.: B+B BAEUN IM BESTAND/P. John.

Dipl.-Ing. Gabriele Gärtner ging ins Detail: Bei besonders leistungsfähigen Innendämmsystemen muss an die Dämmung der Flanken gedacht werden. (Abb.: B+B BAEUN IM BESTAND/P. John.

Die Flanken nicht vergessen
Wann eine Flankendämmung bei einbindenden Innenwänden notwendig ist, erklärte Dipl. -Ing. Gabriele Gärtner von der Firma Evonic. Je besser ein System dämme, desto eher sei eine Flankendämmung notwendig, erklärte sie. Hier sei es dank neuer Hochleistungsdämmstoffe möglich sehr schlanke, unauffällige Lösungen zu verwenden.
Anhand eines vertikalen Schnittes durch eine Außenwand aus 24 Zentimetern Ziegelmauerwerk mit einbindender Betondecke zeigte sie die Temperaturunterschiede zwischen den gedämmten Außenwänden und der einbindenden Geschossdecke. Dargestellt wurde einmal die Konstruktion ohne Dämmung, einmal mit Dämmung der Außenwand und einmal mit zusätzlicher Flankendämmung der Geschossdecke.
Bei der Konstruktion mit Innendämmung zeigte sich, dass die Temperatur im Anschlussbereich zwischen Decke und Wand deutlich gesunken war. Durch die Flankendämmung der Deckenunterschicht konnte die Temperatur der Oberfläche im Eckbereich um vier Grad angehoben werden. Damit hatte sie den kritischen Wert von 12,6 Grad Celsius, der in der DIN 4108-2 als Kriterium für Schimmelfreiheit angegeben ist, überschritten.
Abschließend wie sie darauf hin, dass insbesondere die Kellerdecke ein kritischer Bereich sei, da sie ständiger Kälte von unten ausgesetzt ist.

Wie warm muss eine Wand sein?
In der anschließenden Diskussion stellte ein Teilnehmer die Frage, ob die in der DIN 4108-2 angegebene Mindesttemperatur einer Wand von 12,6 Grad Celsius tatsächlich ausschlaggebend für die Schimmelfreiheit des Bauteils sei. Gärtner erläuterte, dass aus bauphysikalischer Sicht dieser Wert nicht immer eingehalten werden müsse. Es komme stark auf das verwendete Innendämmsystem an. Anatol Worch fügte hinzu, dass die Werte, die für Neubauten galten, bei Sanierungen nicht unbedingt eingehalten werden müssten. „Schließlich kann man bei der Sanierung eines Gründerzeithauses die für den Neubau angegebene Mindesttrittschalldämmung auch nicht einhalten.“ Wichtig ist aber dass die Schimmelfreiheit dennoch eingehalten wird.
Fachplaner und Gutachter Gregor A. Scheffler warf ein, dass er seinen Kunden für selbstgenutzte Objekte eine Mindesttemperatur von 11,5 Grad Celsius einzuhalten empfehle. Ein höherer Wert trage lediglich dazu bei, durch konstruktive Maßnahmen einem normalen Maß an nutzerbedingtem Feuchteeintrag vorzubeugen. Damit sichere sich der Planer gegen etwaige Schadenersatzansprüche im Falle von Schimmelbildung durch unzureichende Lüftung der Nutzer ab.

Dipl.-Ing. Wolfgang Thölke stellte anspruchsvolle Objekte mit Innendämmung vor. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Dipl.-Ing. Wolfgang Thölke stellte anspruchsvolle Objekte mit Innendämmung vor. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Innendämmung für extreme Bedingungen
Abschließend zeigte Dipl. -Ing. Wolfgang Thölke von der Calsitherm Silikatbaustoffe GmbH anhand zweier Objektberichte, welche Sonderlösungen für Innendämmung bereits möglich sind. So wurde im Schloss Corvey im ostwestfälischen Höxter, was in seiner heutigen Bausubstanz seit 1741 besteht, eine 1.000 Quadratmeter große Wohnung mit Innendämmung saniert. Hier stellten sich hohe architektonische sowie bauphysikalische Anforderungen. Das Erdgeschoss war seit zehn Jahren nicht mehr genutzt worden. In der ersten Etage existiert eine schützenswerte historische Bibliothek, die durch die Maßnahmen und den daraus resultierenden Änderungen in den raumklimatischen Bedingungen nicht beeinträchtigt werden durfte. Die Außenwände des Objekts sind zwischen 50 und 120 Zentimeter stark. Dadurch ergeben sich bei den Bogenfenstern besonders tiefe gerundete Fensterstürze. Um diese zu dämmen, wurden die Dämmplatten in bis zu ein Zentimeter kleine, teilweise keilförmige Streifen geschnitten und dann exakt angepasst. Da die Dämmung unsichtbar sein sollte, mussten alle Abschlüsse besonders sorgfältig beigeputzt werden.
Für ein anderes Objekt, die Kunsthalle Mannheim, schnitt das Unternehmen werksseitig Innendämmplatten zu, in die eine Röhrenheizung integriert werden konnte. Dazu sie bereits beim Hersteller mit Längsrillen versehen, in die die Heizelemente integriert werden konnten. Speziell zugeschnittene Endstücke ermöglichten den Anschluss der Elemente an das Heizsystem. Bei der Auskleidung der Räume mit den Dämmplatten war es zudem wichtig, dass das Klima in den Räumen den besonderen Anforderungen der Kunstwerke auch nach der Sanierung gerecht werden musste.

Teilnehmer informierten sich an den Ständen unserer Sponsoren. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Teilnehmer informierten sich an den Ständen unserer Sponsoren. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Nicht zuletzt durch die rege Beteiligung der Teilnehmer wurde auf dem 5. B+B DIALOG Innendämmung gezeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten von Innendämmungen mittlerweile sind. Verschiedene Möglichkeiten, Problemen vorzubeugen, aber auch unterschiedliche Ansichten, was die Ausführung betrifft, wurden gegeneinander abgewogen. Auch in Zukunft werden kritische Details bei der Innendämmung Anlass zu Diskussionen und neuen Entwicklungen auf Herstellerseite geben. Für die zukünftige Planung von Innendämmung gab Anatol Worch die Empfehlung „Innen Dämmen – außen gucken, – anders gucken“, was für ihn bedeutet, dass wir Innendämmsysteme heute schon vor der Ausführung sehr detailliert charakterisieren zu können. Und das sollten wir nutzen.