6. B+B DIALOG: Damit Wärmedämmung funktioniert

Rund 50 Teilnehmer informierten sich auf dem 6. B+B DIALOG über Praxislösungen zur nachträglichen Wärmedämmung. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Rund 50 Teilnehmer informierten sich auf dem 6. B+B DIALOG über Praxislösungen zur nachträglichen Wärmedämmung. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Der 6. B+B DIALOG „Nachträgliche Wärmedämmung“ am 1. Oktober 2015 in Berlin bot rund 50 Planern, Energieberatern, Fachunternehmern, Sachverständigen, Immobilienverwaltern und Vertretern der Baustoffindustrie Problemlösungen für die Gebäudehülle (außen/innen), die oberste Geschossdecke und die Kellerdecke. Diskussionsrunden unter der Moderation von Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel ermöglichten einen intensiven Erfahrungsaustausch und Praxistransfer.

In Doppelfunktion als Moderator und referent war Jürgen Gänßmantel gefragt. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

In Doppelfunktion als Moderator und referent war Jürgen Gänßmantel gefragt. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

In seinem unterhaltsamen Eröffnungsvortrag erläuterte Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel die statistischen Rahmendaten und rechtlichen Grundlagen sowie Anforderungen und wirtschaftliche Aspekte der nachträglichen Wärmedämmung bis hin zu vermeintlichen und tatsächlichen Risiken. Sein abschließendes Credo:

  • Energetische Sanierung ist keine Do-It-Yourself-Angelegenheit, sondern eine Aufgabe für Profis in Zusammenarbeit mit Energieberatern.
  • Der Sanierungsfahrplan für ein Gebäude ist immer einzelfallbezogen festzulegen; es gibt keine Standardlösung.
  • Bei Bestandsgebäuden mit unzureichendem Wärmeschutz und sowieso anstehenden Instandsetzungsarbeiten ist die Amortisation nachträglicher Wärmedämmung am besten.
  • Erhöhter Wärmeschutz führt zu realer Energieeinsparung; energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist wirtschaftlich.
  • Erhöhter Wärmeschutz reduziert das Schimmelpilzrisiko; energetische Sanierung steigert den Wohnkomfort und verbessert die Behaglichkeit.

Auch Systeme lassen sich optimieren

Planungsrelevante Hinweise zu zahlreichen Details bei WDV- und vorgehängten Systemen gab Gregor A. Scheffler. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Planungsrelevante Hinweise zu zahlreichen Details bei WDV- und vorgehängten Systemen gab Gregor A. Scheffler. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Den Möglichkeiten der wärmetechnischen Optimierung von WDV- oder vorgehängten Fassadensystemen im Bestand widmete sich anschließend Dr.-Ing. Gregor A. Scheffler. Besonderes lenkte er das Augenmerk darauf, die allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen zu beachten. Außerdem gab er planungsrelevante Hinweise, wie Wärmebrücken berücksichtigt werden können, zum Beispiel an Befestigungselementen wie WDVS-Dübeln oder bei vorgehängten Fassaden. Er zeigte Lösungen für einbindende Bauteile und den Sockelbereich und ging auf wichtige Aspekte des Brand- und Schallschutzes ein.

Dämmen als Hochleistung
In der Sektion „Praxisbeispiele für innovative Fassadendämmung“ stellte Dr.-Ing. Gabriele Gärtner (Evonik Industries) gemeinsam mit Dipl.-Ing. Matthias Effinger (FKN Fassaden) neu entwickelte Sandwich-Paneel-Module aus Hochleistungswärmedämmplatten, Vakuum-Isolationspaneelen und Plexiglas vor. Als Vorteile wurden benannt: höhere Energieeffizienz und höherer Brand- und Schallschutz bei einem wesentlich schlankeren Aufbau im Vergleich zu mit Mineralwolle gedämmten Fassadensystemen. Bei dem vorgestellten Objektbeispiel konnte zudem die Unterkonstruktion beibehalten bleiben und die Fassadenmodernisierung im laufenden Betrieb erfolgen, wodurch die systembedingten Mehrkosten teilweise kompensiert wurden.

Konkrete Tipps zur Innendämmung gegeben

Die Teilnehmer nutzten in den Pausen die Möglichkeit, sich an den Ständen der Aussteller zu informieren. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Die Teilnehmer nutzten in den Pausen die Möglichkeit, sich an den Ständen der Aussteller zu informieren. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

In seinem Vortrag „Außenwände innen dämmen“ ging Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel auf Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der Innendämmung ein und gab konkrete Tipps zu Planung, Bemessung und Materialauswahl sowie zu Ausführung, Details und Anschlüssen.

 

 

Neues aus den Entwicklungsabteilungen
In der Sektion „Praxisbeispiele für innovative Lösungen für außen und innen“ stellte Dipl.-Ing. Andreas Kamp (Caparol) die Produktion, Verarbeitung und Vorteile eines Fassadendämmsystems aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf vor, das in Deutschland zur Farbe – Ausbau & Fassade im März 2016 eingeführt werden soll. Dipl.-Ing. Heiko Riggert (Caparol) erläuterte im Anschluss den „IDS Thermowinkel“, eine Lösung zur Vermeidung von Wärmebrücken bei einbindenden Bauteilen, die den oft unerwünschten Dämmkeil beziehungsweise die Flankendämmung bei der Innendämmung ersetzt.

Dass Dämmstoffe nicht immer als Platten oder Matten ausgeführt sein müssen, zeigte Arnold Drewer. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Dass Dämmstoffe nicht immer als Platten oder Matten ausgeführt sein müssen, zeigte Arnold Drewer. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Dämmstoffe einblasen oder sprühen
Im Schlussvortrag „Effiziente Verfahren zur nachträglichen Dämmung der obersten Geschossdecke und Kellerdecke“ erläuterte Arnold Drewer die Verarbeitungs- und Kostenvorteile einblasbarer und sprühbarer Dämmstoffe im Vergleich zu Plattendämmstoffen.

Gregor Reichle